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Satish ist neun Jahre alt. Er ist der erste in seiner Familie, der zur Schule geht und danach einen richtigen Beruf erlernt. Satish lebt in Kurukuru, einem kleinen Dorf im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh. Er ist einer der Wenigen in seinem Dorf, der lesen kann. Stolz liest er am Wochenende den Eltern aus seinem Schulbuch vor. Seine Eltern hatten nie die Chance, lesen und schreiben zu lernen. Auch Satish´s Leben wäre beinahe in den gleichen Bahnen verlaufen wie das seiner Eltern.
Satish´s Familie gehört zu der Volksgruppe der Dalit. Bis heute werden die Dalit von Kasten-Indern massiv diskriminiert. Sie werden als unrein angesehen und stehen deshalb außerhalb des Kastensystems. Die Dalit gehören zur ärmsten sozialen Schicht und stammen aus Familien von Kleinbauern oder landlosen Tagelöhnern.
Aufgrund ihrer Armut und ausweglosen Situation werden die Dalit oft Opfer der sog. Schuldknechtschaft. Die Armut zwingt die Menschen, ihre Kinder gegen eine Kreditsumme dem Arbeitgeber zu entleihen. Sie sind das Sicherheitspfand für das entliehene Geld. Die 6-12-jährigen müssen dafür im Haushalt, beim Vieh oder in Fabriken für einen Hungerlohn arbeiten, oder wie Satish den ganzen Tag auf dem Feld schuften.
In anderen Teilen der Region schuften bereits kleine Kinder in Steinbrüchen, der Textil- oder Automobilindustrie. Kinder sind beliebte Arbeitskräfte da man ihnen noch geringere Löhne zahlen kann und sie sich nicht gewerkschaftlich organisieren. Die Kinder werden dabei ernsthaft in ihrer Entwicklung und Gesundheit beeinträchtigt. Doch das Geschäft mit der Armut floriert trotz des gesellschaftlichen Verbots von Schuldknechtschaft und Kinderarbeit.
Um aktiv gegen Kinderarbeit vorzugehen und den arbeitenden Kindern eine Zukunftsperspektive zu geben, errichtete Don Bosco JUGEND DRITTE WELT mit Hilfe von Spendengeldern im Jahr 2004/2005 die „Ravulapalem Ekalavya Child Labour and Bridge School“, eine Schule für Kinderarbeiter. Salesianerpater Thomas Pallithanam kämpft dort seit 1986 gegen die Kinderarbeit in der Region und setzt sich darüber hinaus für die diskriminierte Bevölkerungsgruppe der Dalit ein. Gemeinsam mit der von ihm gegründeten Nichtregierungsorganisation PARA (People´s Action for Rural Awakening) versucht er, den Menschen - und besonders den Kindern und Jugendlichen - bessere Zukunftsperspektiven zu eröffnen. Auch Satish hat hier neue Hoffnung geschöpft. Seit einem halben Jahr ist der Neunjährige nun einer von 75 Schülern in Ravulapalem. Durch das Team von PARA wurde er aus der Schuldknechtschaft befreit. Unter der Woche ist Satish im angeschlossenen Wohnheim zusammen mit 14 anderen Kindern untergebracht. Am Wochenende fährt er zu seiner Familie.
Die Kinderarbeiterschule geht speziell auf die Bedürfnisse der früheren Kinderarbeiter ein: In sogenannten Brückenkursen werden die Schüler auf das Lernniveau gebracht, das ihrem Alter entspricht. Dafür ist besondere Betreuung und Zuwendung nötig. Ziel ist es, die Kinder nach Abschluss der Brückenkurse, die ein Jahr dauern, wieder in den regulären Schulbetrieb zu vermitteln.