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JUGEND DRITTE WELT e.V.
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Albanien ist das ärmste Land Europas. Nur sehr langsam erholt sich das Land von der Herrschaft des kommunistischen Diktators Enver Hoxha. Mit dem Übergang von der Planwirtschaft zur Marktwirtschaft haben viele Menschen in Albanien ihre Arbeit und ihre Orientierung verloren. Der erhoffte wirtschaftliche und gesellschaftliche Aufschwung ist ausgeblieben. Ganze Industriezweige stellten ihre Tätigkeit ein, kleine und mittlere Betriebe schlossen ihre Pforten. Banken und Großunternehmen, denen die Bevölkerung ihre Ersparnisse anvertraut hatten, gingen bankrott. Familien verarmten über Nacht. Dazu kam Ende der 90er Jahre der Zustrom von 600.000 Flüchtlingen aus dem Kosovo, den das kleine Land (auf einer Fläche in etwa so groß wie Brandenburg leben ca. 3,5 Millionen Einwohner) kaum verkraftete. In der Hauptstadt Tirana hat sich die Einwohnerzahl in den letzten 15 Jahren auf 725.000 verdreifacht. Mit der gestiegenen Einwohnerzahl stiegen auch die sozialen Probleme. Die Jugendlichen leiden besonders unter den schlechten wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen. Denn ihnen fehlt nicht nur eine Zukunftsperspektive, sondern sie werden nicht selten zu Opfern illegaler Aktivitäten. Oft sind es die Eltern, die ihre Kinder aus Verzweiflung in die Prostitution und Kriminalität zwingen.
Um diesen Problemen zu begegnen, sind die Salesianer Don Boscos seit 1992 in Tirana tätig. Dort unterhalten sie auf dem Gelände des Don Bosco Zentrums ein Gymnasium, ein Jugendzentrum, ein Berufsbildungszentrum und eine Pfarrei. Besonders kümmern sie sich auch um Kinder und Jugendliche, die aufgrund von Armut und fehlenden Zukunftsperspektiven auf den Straßen Tiranas gelandet sind. Der Kontakt zur Familie besteht meist weiterhin, doch die Kinder müssen mithelfen, das Familieneinkommen auf unterschiedlichste Weise auf der Straße aufzubessern. Dabei handelt es sich vor allem um kombinierte Noterwerbsweisen: kleiner Handel, Sammeln und Aufarbeiten von Abfällen, Gelegenheitstätigkeiten aber auch Diebstahl und andere kriminelle Aktivitäten. Damit einher gehen die typischen sozialen Folgen wie drastisch sinkende Bildungschancen und stark erhöhte Kriminalitäts-, Alkoholismus- und Drogenrisiken. Kinder und Jugendliche, die durch Gelegenheitsjobs auf der Straße das Familieneinkommen aufbessern, gehen in der Regel nicht zur Schule. Ein trauriger und gleichzeitig tragischer Kreislauf beginnt: Fehlende schulische Grundbildung lässt keine beruflichen Ausbildungsmöglichkeiten zu, Gelegenheitsjobs oder Arbeitslosigkeit sind die Folge. Wirtschaftliche Armut ist vorprogrammiert und führt zu Frustration, nicht selten versuchen die Betroffenen, in Alkohol- und Drogenkonsum zu flüchten. Gewalt innerhalb der Familie und auseinanderbrechende Familien sind die Konsequenz.
Aus diesem Grund liegt es Pater Dominik Querimi SDB und seinen Mitbrüdern sehr am Herzen, den Kindern und Jugendlichen aus wirtschaftlich schwachen und zerrütteten Familien in Tirana eine neue Zukunftsperspektive zu eröffnen. 75 Heranwachsende im Alter zwischen 6 und 17 Jahren sollen durch ein mehrmonatiges Programm wieder in das Schul- und somit das albanische Gesellschaftssystem integriert werden. Die Salesianer werden bei diesem Vorhaben von sechs Lehrern und vier weiteren Vollzeitkräften (drei Sozialarbeitern und einem Psychologen) unterstützt. Nach der ersten Identifizierung von gefährdeten Straßenkindern und Schulabbrechern durch die Sozialarbeiter wird der Kontakt zur Familie hergestellt. Der Wert von Bildung wird von den meisten Eltern verkannt. Daher gilt es, besonders dort Überzeugungsarbeit zu leisten. Um einen Gesinnungswandel anzustoßen, werden die betroffenen Familien in Einzel- und Gruppengesprächen beraten um sie auf die Notwendigkeit von schulischer und beruflicher Bildung für Ihre Kinder hinzuweisen. Die Vergabe von Lebensmitteln und Kleidung soll die wirtschaftliche Not lindern helfen und einen Anreiz für die Familien darstellen, ihre Kinder in die Schule zu schicken.
Im Don Bosco Zentrum arbeiten die Lehrer mit den Kindern und Jugendlichen in sogenannten „Brückenkursen“. Ausgehend vom jeweiligen Entwicklungsstand des Kindes oder des Jugendlichen werden durch individuelle Förderung die versäumten Lerninhalte vermittelt und das Kind oder der Jugendliche somit auf den seiner Altersgruppe entsprechenden Lernstand gebracht. Während der Zeit der Brückenkurse besteht bereits enger Kontakt zu den öffentlichen Schulen in Tirana. Die schulischen Fördermaßnahmen werden von den Sozialarbeitern und Psychologen entsprechend begleitet. Diese helfen bei der Bewältigung von Alltagsproblemen, vermitteln wichtige gesellschaftliche Werte, zeigen soziale Verhaltensweisen auf und motivieren die Kinder und Jugendlichen zum Schulbesuch. Ein umfangreiches Freizeitprogramm, das die Kinder und Jugendlichen zusätzlich motivieren und festigen soll, ergänzt den Reintegrationsunterricht. Nach maximal einem Jahr sollen die Straßenkinder- und Jugendlichen in die regulären staatlichen Schulen und reintegriert werden. Die älteren Jugendlichen haben dann die Möglichkeit, im Berufsbildungszentrum der Salesianer eine Ausbildung zu absolvieren.
Gerade jetzt in der kalten Jahreszeit ist es wichtig, die Kinder und Jugendlichen weg von der Straße zu holen und sie im Don Bosco Zentrum in Tirana zu betreuen. Doch diese für die Zielgruppe so wichtigen Maßnahmen kosten Geld. P. Dominik hat uns um Unterstützung bei der Reintegration von Straßenkindern und Schulabbrechern gebeten. Für die Verteilung von Lebensmitteln und Kleidung an die betroffenen Familien, das didaktische Material im Unterricht, die Freizeitmaßnahmen sowie Gehälter der Lehrer und Sozialarbeiter werden noch dringend Gelder benötigt. Durch Ihren Beitrag kann ein Grundstein gelegt werden, der den Kindern und Jugendlichen aus sozial und wirtschaftlich schwachen Familien neue Wege in eine positive Zukunft ohne wirtschaftliche Ausbeutung und finanzielle Armut eröffnet.
Hintergrundinformation: Die Arbeit der Salesianer in Tirana
P. Dominik Querimi SDB und sein Team sind in den ärmeren Stadtvierteln von Tirana, in denen die Roma sich niedergelassen haben, für viele hundert Kinder und Jugendliche Ansprechpartner. Das 1992 erbaute Don Bosco Zentrum steht über 1000 Jugendlichen pro Tag offen. Zahlreiche Freizeitaktivitäten und Bildungsangebote stehen den Jugendlichen zur Verfügung. Ob Judo, Fußball oder Tennis: beim Sport können sich die Kinder und Heranwachsenden richtig austoben und verbringen im offenen Jugendzentrum ihren Nachmittag mit sinnvoller Beschäftigung. Viele Kinder sehen hier zum ersten Mal in ihrem Leben einen Spielplatz – ein Highlight zwischen den tristen Plattenbauten und Industriebrachen. Ein großes Zelt, das zuvor für Flüchtlinge als Küche und Kantine genutzt wurde, bietet Platz für Feste und Veranstaltungen.
Neben den Freizeitangeboten erhalten die Jugendlichen hier eine echte Perspektive für die Zukunft. Das Berufsbildungszentrum vermittelt theoretische und praktische Kenntnisse z.B. in den Bereichen Maurer, Elektriker und Schneiderei. Darüber hinaus werden den Jugendlichen Sprachkurse angeboten, Englisch und Italienisch stehen hoch im Kurs, schließlich sind es von der albanischen Küste nur 100km nach Italien. Sofern die nötigen Qualifikationen vorhanden sind, können die Kinder und Jugendlichen das Don Bosco-Gymnasium besuchen. Ein Wohnheim ermöglicht auch Schülern vom Land den Besuch der Schule. Eingebettet ist die Jugendarbeit der Salesianer in die Pfarrei San Giovanni Bosco. Hier gibt es mehrere Frauen-, Katechese und Jugendgruppen.