Ihre Hilfe komme an! Spenden sie jetzt

Mit Euro

einmalig monatlich

Don Bosco Jugend Dritte Welt e.V.

Konto 870 005
Sparda Bank West
BLZ 370 605 90
IBAN DE84370605900000870005
BIC GENODED1SPK

Life Choice Programm Kapstadt

Haben Sie Fragen?

Weitere Projektinformationen und Hinweise zu Fördermöglichkeiten erhalten Sie von

Anna Patzke-Salgado

Tel.: 0228/539 65 51

E-Mail: patzke[at]jugend-dritte-welt.de

Bildungskampagne zur WM 2010

 Begleiten Sie uns auf eine Reise nach Südafrika und erleben Sie, wie Menschen in den Townships – jenseits von glamourösen Stadien und Fußballrummel – ihren Alltag meistern. mehr

“Ich kann selbst was ändern“

Salesianer Don Boscos in Kapstadt machen Jugendliche stark gegen Aids, Armut und Gewalt 

Nomandela erinnert sich noch genau an den Moment, der ihr Leben veränderte. „Fass mich nicht an! Du hast kein Recht dazu! “ brüllte die 16-Jährige ihren Vater an, aufrecht vor ihm stehend und die rechte Hand zur Faust geballt. „Wenn du das noch mal versuchst, schreie ich die ganze Nachbarschaft zusammen. Du solltest dich schämen!“ Seitdem ist Ruhe. Zwar wohnt Nomandela mit dem Mann, der sie jahrelang sexuell missbrauchte, noch unter einem Dach. Doch jetzt fühlt sie sich sicher.

Die Kraft zur Gegenwehr hat ihr „Life Choices“ gegeben - ein ambitioniertes Projekt, das sich die Stärkung der Rechte von Jugendlichen aus den Armenvierteln Kapstadts zum Ziel gesetzt hat. „Life Choices“ wird derzeit an elf weiterführenden Schulen und 13 Grundschulen in sozialen Brennpunkten der südafrikanischen Metropole getestet. Die Themen „Gewalt gegen Frauen“ und „Selbstbehauptung“ stehen bei den Kursen, die zweimal pro Woche über einen Zeitraum von drei Jahren statt finden, ganz oben auf dem Programm. Kein Zufall: In den riesigen Armenvierteln der Stadt, den Townships, werden immer wieder Frauen und Kinder vergewaltigt, die offizielle Aidsrate von 19 % ist unter Frauen dreimal so hoch wie die unter Männern. Auch deshalb, weil das Virus durch Vergewaltigung übertragen wird. „Niemand regt sich hier darüber auf,“ sagt Sofia Neves, die das Projekt konzipiert hat. „Vergewaltigung wird akzeptiert. Die Frauen selbst haben von ihren Müttern gelernt, dass sie nichts zu melden haben.“

Die Gewalt sei nicht zuletzt eine Folge der Apartheid, so die 30-jährige Portugiesin. Bis Anfang der 90er Jahre hatte die Regierung alle Schwarzen in die Townships verbannt – riesige Armenviertel, die 15 bis 20 Kilometer außerhalb des schicken, europäisch geprägten Stadtzentrums liegen. Nur als billige Arbeitskräfte für die weiße Bevölkerungsminderheit verließen sie ihr Wohngebiet. Bis heute, 13 Jahre nach Ende der Rassentrennung, sind Armut und Arbeitslosigkeit überdurchschnittlich hoch. Offiziell liegt die Arbeitslosenquote in Kapstadt unter dem Landesdurchschnitt von rund 30 %, die Wirtschaft der Metropole boomt. Doch davon sind die Bewohner der Townships weitgehend ausgeschlossen: Nahezu zwei Drittel haben keine Arbeit oder nur Gelegenheitsjobs. Räumliche Enge – oft wohnen sieben- oder achtköpfige Familien in ein bis zwei Zimmern - und Alkoholmissbrauch sorgen dafür, dass der Frust schnell in Gewalt umschlägt. In Vierteln wie Athlone, Delft oder Manenberg brodelt daher ein gefährlicher Mix aus Drogen, Gangstertum, Rassenhass und Aids. „Wer hier aufwächst, hat kaum eine Chance, jemals rauszukommen,“ sagt Neves. 

Genau das will Life Choices ändern. Neben Selbstbehauptung bieten die jungen Trainer, die nur ein paar Jahre älter sind als ihre Schüler, eine Reihe von möglichen Strategien an:  Darunter „Ziele setzen und erreichen“, „Gesundheit und Risikoverhalten“ sowie „Ethnische Toleranz“, die in Workshops und Rollenspielen erarbeitet werden. 56.000 Jugendliche will das Projekt in den nächsten fünf Jahren erreichen. Hinter „Life Choices“ stehen die Salesianer Don Boscos. In Kapstadt leiten die Ordensleute eine Schule und ein Berufsbildungszentrum für Straßenkinder sowie Fortbildungskurse für arbeitslose junge Frauen. Das Projekt „Life Choices“ liegt Pater Patrick Naughton dabei besonders am Herzen.  

„Es geht nicht nur darum, Gewalt und Aids zu verhindern. Wir wollen Alternativen anbieten,“ erklärt der Leiter der Salesianer in Kapstadt. Ein neuer Ansatz sei nötig, weil der Staat bei der Aidsaufklärung weitgehend versagt hätte. Zwar bekommen die Menschen Informationen über das tödliche Virus, aber die sind oft widersprüchlich. Jahrelang seien zudem Kondome verteilt worden, doch das habe alles nichts genützt. Auch den aktuellen Strategieplan, den die südafrikanische  Regierung Mitte März in Johannesburg vorgestellt hatte, sieht der Priester kritisch. Das sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung – aber die dort angekündigten Maßnahmen wie die Versorgung von 80 Prozent aller aidskranken Südafrikaner mit antiretroviralen Medikamenten bis 2011 - beschränkten sich auf den Gesundheitssektor. „Doch Aids ist vor allem ein soziales Problem,“ sagt Pater Patrick. Aktuellen Statistiken zufolge sind zudem die Hälfte der Menschen, die sich neu anstecken, Jugendliche unter 20 Jahren.
 
Life Choices setzt deshalb auf einen Wertewandel der jungen Generation. „Die Jugendlichen bekommen hier jeden Tag zu spüren, dass ein Menschenleben keine Bedeutung hat,“ sagt der irische Priester. „Wir versuchen ihnen zu vermitteln: Es liegt an euch, etwas zu verändern. Wenn ihr euer eigenes Leben und das eurer Mitmenschen wert schätzt, werden euch die anderen respektieren. Dadurch wird sich auch die Gesellschaft langfristig ändern.“

Ein Konzept, dass sich im Alltag von Nomandela und ihren Mitschülern bewährt hat. „Für mich war das Schlimmste, das ich mit niemand reden konnte,“ erzählt die temperamentvolle junge Frau. In der Gruppe lernte sie, offen über die Vergewaltigung zu sprechen, trainierte im Rollenspiel das Auftreten gegenüber ihrem Vater. Allein über Probleme zu sprechen sei eine Erleichterung, bestätigt Mitschülerin Queen. „Und hier haben wir gelernt, dass wir uns gegenseitig helfen können.“ Gerade mal 16 war die energisch auftretende junge Frau, als sie ungewollt schwanger wurde. Damals habe sie es  nicht besser gewusst, sagt sie heute. „Das war wie ein Weltuntergang. Und wie leicht hätte ich Aids bekommen können!“ erschauert die Mutter eines kleinen Jungen im Nachhinein. Ermutigt durch Life Choices macht die 20-Jährige jetzt ihren Schulabschluss nach. „Ich habe aus meinen Fehlern gelernt und möchte meine Erfahrungen weitergeben,“ erklärt Queen selbstbewusst. Sie, Nomandela und 24 weitere Schüler der Highschool im Township Athlone haben sich deshalb freiwillig als „Peer Educator“ gemeldet. Das sind Jugendliche, die nach erfolgreich absolviertem Training durch Life Choices ihren Klassenkameraden bei Problemen in der Familie helfen. „Als Gleichaltrige kann ich besser auf sie zugehen, weil ich ihre Sprache spreche. Viele haben ähnliche Probleme wie ich.“ Regelmäßig treffen sich die Peers, um neue Aufklärungs-Aktionen zu starten. So gingen alle Mitglieder letzte Woche  zum Aids-Test, um ein Zeichen gegen die Epidemie zu setzen. Vorbild zu sein ist allerdings nicht immer einfach. „Man steht ständig unter Beobachtung der ganzen Klasse. Alle machen sich über mich lustig, wenn ich mal etwas falsches sage oder tue,“ sagt sie. Andererseits hat Nomandela jetzt mehr Kontakte als früher. Und noch mehr Selbstvertrauen. Um die Schulgebühren und die Kosten für einen privaten Schauspiel-Workshop zu bezahlen, jobbt die 16-Jährige nebenbei als Kellnerin. Schauspielerin will sie werden und endlich raus aus dem Slum. „Ich werde nicht zulassen, dass mich jemand daran hindert – auch nicht mein Vater.“

PROJEKTE         SPENDEN         AKTIONEN         INFOTHEK         SERVICE         IMPRESSUM        

© Copyright 2008     Don Bosco JUGEND DRITTE WELT e.V. - Strässchensweg 3 - 53113 Bonn - Telefon 0228 539 65-45 info[at]jugend-dritte-welt.de